Die Kläranlage Gut Großlappen gehört zu den bedeutendsten – und dennoch häufig übersehenen – Einrichtungen in München. Täglich werden hier hunderte tausend Kubikmeter Abwasser gereinigt, damit es sicher in die Natur zurückkehren kann. Die Anlage ist seit fast hundert Jahren im Betrieb und blickt auf eine faszinierende Entwicklung zurück: von den ersten Kanälen im Jahr 1811 bis hin zu modernen Technologien, die ein Wachstum der Stadt ermöglichen, ohne die Isar zu verschmutzen. Man könnte sie das unsichtbare Herz der städtischen Infrastruktur nennen. Mehr zu munichname.eu.
Geschichte des Münchner Kanalisationssystems
Die Entwicklung der Münchner Kanalisation begann bereits im 19. Jahrhundert. 1811 wurde in der Stadt der erste unterirdische Abwasserkanal verlegt. Zu dieser Zeit war München deutlich kleiner, sodass das System ausreichend war. Doch das Stadtwachstum setzte ein: Mit jedem Jahr kamen mehr Häuser, Einwohner und Unternehmen – und damit wuchs auch das Abwasservolumen. Die alten Reinigungsmethoden kamen bald an ihre Grenzen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde klar, dass München eine groß angelegte Entwässerungsinfrastruktur und moderne Kläranlagen benötigt. In den 1890er-Jahren führte man die sogenannten alluvialen Kanalisationssysteme offiziell ein. Die Kanalisation begann sich zu erweitern und deckte immer größere Teile der Stadt ab. Gleichzeitig suchten die Behörden nach Wegen, das Wasser effektiver zu reinigen, um eine Verschmutzung der Isar – der damals wichtigsten natürlichen Ressource der Bevölkerung – zu verhindern.
Noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts forderte die Regierung Oberbayerns von der Stadt den Bau moderner Reinigungsanlagen, um möglichst viele Haushalte an ein zentrales System anzubinden. Stadträte reisten in andere europäische Städte, in denen solche Anlagen bereits funktionierten, und entwickelten auf dieser Basis einen eigenen Plan. So entstand die Idee, im Norden Münchens zwei große Klärkomplexe zu errichten – Gut Großlappen und Gut Marienhof. Diese Anlagen sollten das Herz der neuen Kanalisation bilden, in der das Abwasser der ganzen Stadt ohne Pumpen im freien Gefälle abfließen konnte. Dieser Schritt wurde zum Wendepunkt. Dank dieser beiden Anlagen konnte die Stadt große Abwassermengen effizient reinigen und die natürlichen Gewässer vor Belastung schützen.

Maßstab und Standort von Gut Großlappen
Die Kläranlage Gut Großlappen liegt im Norden Münchens im Stadtteil Freimann. Sie befindet sich zwischen der Autobahn München–Nürnberg (A 9) und der Freisinger Landstraße, unweit des Hügels Frotmaninger Berg. Da das Gelände dort niedrig liegt, kann das Abwasser aus den meisten Stadtteilen im freien Gefälle zur Anlage gelangen. Diese Standortwahl war bewusst getroffen, um ein effektives Ableitungssystem zu schaffen.
Gut Großlappen zählt zu den größten Kläranlagen Deutschlands. Ihre Kapazität ist auf etwa zwei Millionen Einwohner ausgelegt. Täglich gelangen hunderte tausend Kubikmeter Abwasser aus Haushalten und Betrieben hierher. Pro Jahr werden rund 136 Millionen Kubikmeter Wasser gereinigt – beeindruckende Mengen, für deren Behandlung eine gesamte mechanische und biologische Anlage sowie moderne Technologien zur Schlammverwertung arbeiten.
Die Anlage spielt eine Schlüsselrolle im Münchner Kanalisationsnetz. Sie war der erste Großkomplex ihrer Art in der Stadt und bleibt die zentrale Reinigungsstelle für den Norden. Ein großer Teil aller Abwässer fließt durch sie, bevor das gereinigte Wasser wieder in die Natur gelangt. Man kann sie als das Herzstück des Systems bezeichnen, das die Wasserqualität der Isar schützt und den stabilen Betrieb der städtischen Entwässerung sicherstellt.
Technologischer Ablauf der Wasserreinigung
Der Reinigungsprozess in Gut Großlappen gliedert sich in mehrere Schritte. Zuerst erfolgt die mechanische Reinigung. In diesem Abschnitt werden große Bestandteile wie Müll, Sand und kleine feste Partikel entfernt. Dafür kommen Rechen, Sandfang und Primärklärbecken zum Einsatz. In speziellen Becken wird das Wasser für eine gewisse Zeit zurückgehalten, damit schwerere Partikel sedimentieren können. Dieser Schritt bereitet das Wasser auf die anschließende Tiefenreinigung vor.

Es folgt die biologische Reinigung. Enorme Belebungsbecken sind in Zonen mit unterschiedlichen Bedingungen unterteilt – anaerobe und aerobe. In solchen Milieus arbeiten Mikroorganismen mit Hochdruck daran, organische Stoffe abzubauen und schädliche Elemente zu entfernen. Genau hier findet die biologische Entfernung von Phosphor und Stickstoff statt, die in großen Mengen Gewässer stark belasten könnten. Dank des zweistufigen Systems werden diese Stoffe effizient aus dem Wasser entfernt, und am Ende ist das Wasser deutlich klarer. Im Jahr 2000 wurden auf der Anlage automatisierte Systeme zur Überwachung von Sauerstoffgehalt und Temperatur in den Belüftungsbecken installiert, um die Effektivität der biologischen Reinigung zu steigern.
Nach dem biologischen Abschnitt wird das Wasser durch zusätzliche Systeme geleitet. Es passiert spezielle Bauwerke unter der Isar, gelangt dann zur Haupt-Pumpstation zwischen Unterföhring und Ismaning. Von dort gelangt es in ehemalige Fischweiher und anschließend in das Speicherkraftwerk Ismaninger. Ein Teil des Wassers wird auch zur Stromproduktion im Wasserkraftwerk Neufinsing genutzt. Am Ende seiner Reise fließt das Wasser bereits gereinigt und umweltverträglich zurück in die Isar. Zudem ist die Anlage mit speziellen Systemen zur Rückhaltung und Reinigung von Regenwasser ausgestattet, was das Risiko einer Verschmutzung der Isar bei starken Regenfällen reduziert.
Entwicklung und moderne ökologische Lösungen
Die Geschichte von Gut Großlappen beginnt bereits in den 1920er-Jahren. 1916 erwarb die Stadt München das Gelände des ehemaligen Gutshofes Großlappen. Die Bauarbeiten für die Kläranlage dauerten von 1922 bis 1926. Zunächst wurden mechanische Einrichtungen wie Rechen, Sandfang und Absetzbecken errichtet, in denen Wasser stand und große Partikel absinken konnten. Später, im Jahr 1960, wurde eine zweite mechanische Stufe ergänzt, und 1973 startete der erste biologische Reinigungsschritt. 1994 ging die zweite biologische Stufe in Betrieb, die Stickstoff wirksam aus dem Abwasser entfernte.
Ein paar Sätze seien auch zur anderen Anlage erlaubt: In den 1980er-Jahren entstand in München Gut Marienhof. Sie befindet sich ebenfalls im Norden der Stadt und sollte die Anlage Großlappen entlasten. Heute versorgen beide Stationen gemeinsam einen großen Teil der Stadt und sichern damit den stabilen Betrieb des Kanalisationssystems.

1998 wurde auf dem Gelände von Großlappen eine Anlage zur Schlammverbrennung in Betrieb genommen. Sie verarbeitet den größten Teil des Schlamms, der bei der Wasserreinigung anfällt, und macht den Prozess ökologisch sicher. Der Schlamm wird verbrannt, die Rückstände als Dünger genutzt oder schadlos entsorgt. Jahr für Jahr produziert Großlappen rund 25 000 Tonnen trockenen Schlamms, der anschließend verbrannt oder als Dünger verwendet wird. Zudem gibt es eine besondere Anlage zur Faulung des Schlamms, in der Biogas entsteht, das teilweise zur Beheizung der Anlage verwendet wird.
Heute arbeitet die Anlage auf einem hohen technologischen Niveau. Mechanische und biologische Prozesse sorgen dafür, dass Phosphor und Stickstoff effizient entfernt werden, und das gereinigte Wasser gelangt sicher in die Isar. Dadurch trägt die Stadt zur Sauberkeit der natürlichen Gewässer bei und minimiert Umweltbelastungen; gleichzeitig bleibt das System eine der modernsten Anlagen Deutschlands. Darüber hinaus arbeitet die Kläranlage regelmäßig mit Universitäten und Forschungsinstituten zusammen und testet neue Technologien zur Entfernung von Mikroplastik und Arzneimittelrückständen aus Abwasser.
Quellen:
- https://stadt.muenchen.de/dam/jcr:97163ecf-c5ba-431b-8f70-20649db7dc72/muenchens-laerwerke.pdf
- https://stadt.muenchen.de/dam/jcr:4ecffb78-69ba-43a5-81b0-35749474bb6e/kva.pdf
- https://www.lfu.bayern.de/_data_extern/abfall/alle_behandlungsanlagen/sk_e_mgrosslappen.pdf
- https://duschl.de/planung/klaeranlagen/klaerwerk-muenchen-gut-grosslappen
