Walchensee-Wasserkraftwerk: Bau, Geschichte, Tourismus und Funktionsweise

Das Walchensee-Wasserkraftwerk liegt in den Bayerischen Alpen, unweit von München. Die Anlage ist seit fast hundert Jahren in Betrieb und gehört zu den größten Wasserkraftwerken Deutschlands. Das Wasser des Walchensees treibt die Turbinen an, erzeugt Strom und fließt anschließend in den Kochelsee.  Mehr zu munichname.eu.

Baugeschichte

Der Bau begann Anfang der 1920er Jahre, mit zahlreichen Ingenieuren und Arbeitern. Für die damalige Zeit war das Projekt technisch anspruchsvoll und groß angelegt. Große Francis- und Pelton-Turbinen wurden installiert, die noch heute in Betrieb sind. Die Kraftwerksleistung versorgt lokale Gemeinden sowie Teile der Bahnstrecken mit Strom. Rund um die Anlage sind Bauwerke und Technik aus dieser Zeit erhalten. Besucher können die Tunnel erkunden und die Turbinen in Aktion sehen. Das Kraftwerk produziert keine schädlichen Emissionen und nutzt ausschließlich die Kraft des Wassers, wodurch es ein wichtiger Bestandteil der regionalen Energieversorgung ist.

Technische Daten und Funktionsweise

Das Walchensee-Kraftwerk arbeitet als Derivationsanlage. Wasser aus dem Walchensee wird über große Rohrleitungen zu den Turbinen geleitet. Durch den Höhenunterschied zwischen Walchensee und Kochelsee von etwa 200 Metern entsteht ein hoher Druck, der die Turbinen antreibt und Strom erzeugt.

Insgesamt sind acht Turbinen installiert: vier Francis-Turbinen mit je 18 MW und vier Pelton-Turbinen mit je 13 MW. Das Wasser strömt mit etwa 84 Kubikmetern pro Sekunde durch die Turbinen. Die Generatoren haben unterschiedliche Leistungen: vier mit 25 MVA und vier mit 16 MVA. Dadurch erzeugt das Kraftwerk jährlich rund 300 Millionen Kilowattstunden Strom. Nach der Passage durch die Turbinen fließt das Wasser ruhig in den Kochelsee zurück. Die Rohrleitungen und Tunnel sind für hohen Druck und schnelle Strömungen ausgelegt, robust und zuverlässig, sodass die Turbinen jahrzehntelang störungsfrei arbeiten können.

Die Ingenieure planten die Anlage so, dass auch unter hoher Last alles präzise funktioniert. Turbinen und Generatoren werden regelmäßig gewartet, und das Rohrleitungssystem befindet sich in perfektem Zustand. So wird die Wasserenergie maximal genutzt, und die Stromversorgung bleibt auch bei Spitzenlast stabil.

Bau des Kraftwerks

Der Bau begann nach dem Ersten Weltkrieg. Ingenieur Oskar von Miller entwarf das Projekt 1918. Die Arbeiten dauerten mehrere Jahre und wurden 1924 abgeschlossen. Es war ein anspruchsvolles Großprojekt: Tunnel wurden gegraben, große Rohre verlegt und Turbinen installiert, während Ingenieure jeden Schritt überwachten. Die Zahl der Arbeiter schwankte: 1919 waren etwa 120 Personen beschäftigt, 1923 erreichte die Zahl 2100. 17 Arbeiter verloren während des Baus ihr Leben; ihr Andenken wird auf einer Gedenktafel im Kraftwerksgelände gewahrt.

Die geplanten Baukosten lagen bei rund 14 Millionen Mark, stiegen jedoch durch Verzögerungen und Inflation bis Ende 1922 auf über 439 Millionen Mark. Das Projekt erforderte enorme finanzielle und personelle Ressourcen und zeigt die Bedeutung und Komplexität der damaligen Ingenieursarbeiten.

Die Rohrleitungen wurden so gebaut, dass das Wasser mit hohem Druck die Turbinen antreibt – eine innovative Technik für die 1920er Jahre. Francis- und Pelton-Turbinen wurden erstmals in diesem Umfang eingesetzt.

Während des Zweiten Weltkriegs gab es Pläne, die Anlage für andere Zwecke zu nutzen, z. B. den Bau eines Windkanals für Raketenversuche mit der Energie des Wassers. Der Plan wurde jedoch wegen des Krieges nicht vollständig umgesetzt. Insgesamt machten Bau und Technik der Zeit das Kraftwerk zu einem der modernsten weltweit. Die präzise Berechnung von Rohren, Turbinen und Generatoren sorgt seit Jahrzehnten für stabile Leistung. Zudem dienten Elemente des Projekts als Vorbild für neue Wasserkraftwerke in Deutschland und international.

Ökologische Auswirkungen

Das Walchensee-Kraftwerk erzeugt weder schädliche Emissionen noch Lärm, sodass die Umweltbelastung minimal bleibt. Keine Abfälle oder gefährliche Chemikalien entstehen während des Betriebs, was besonders für die Wasserqualität wichtig ist. So bleibt das ökologische Gleichgewicht in der Umgebung erhalten. Der Betrieb nutzt den natürlichen Energiepotenzialunterschied zwischen Walchensee und Kochelsee, der den Wasserdruck erzeugt. Die Vorräte werden durch natürliche Prozesse ständig erneuert, wodurch das System kontinuierlich arbeitet.

Die umliegende Natur wird geschützt: Wasserstand und Seezustand werden überwacht, um Fischbestände und Wasserflora zu erhalten. Auch die Bauwerke wurden so gestaltet, dass sie das ökologische Gleichgewicht nicht stören. Natürliche Zyklen und biologische Vielfalt bleiben weitgehend unverändert.

Tourismus

Jährlich besuchen etwa 100.000 Menschen das Walchensee-Kraftwerk. Sie erkunden Tunnel, bestaunen die Turbinen und sehen historische Konstruktionen aus fast hundert Jahren. Führungen und Vorträge erklären den Wasserfluss durch die Turbinen, die Stromerzeugung und zeigen Rohre sowie Generatoren. Spezielle Programme widmen sich der Geschichte und Technik der Anlage.

Seit 1983 gilt das Kraftwerk als geschütztes Industriedenkmal und bestätigt so seinen historischen Wert. Gebäude, Tunnel, Ausstattung und Rohrleitungen sind original erhalten, sodass Besucher die Funktionsweise eines frühen 20. Jahrhunderts Ingenieursystems nachvollziehen können. Informationstafeln erläutern Geschichte und Technik, während man die Seen und Wasserkaskaden betrachtet.

Rolle im modernen Energiesektor

Das Kraftwerk versorgt nicht nur Dörfer und Städte, sondern auch größere Einrichtungen wie die Deutsche Bahn. Das durch Turbinen fließende Wasser treibt kontinuierlich Generatoren an, und der Strom wird ins Netz eingespeist. Die Leistung gewährleistet stabile Versorgung selbst bei Spitzenlast.

Das Kraftwerk spielt auch eine Rolle bei der Balance der Energieflüsse. Bei schwankendem Strombedarf regeln Turbinen und Generatoren die Produktion automatisch, um die Netzstabilität zu sichern. Die Wasserbewegung in den Rohren erfolgt präzise, Druck und Turbinendrehzahl werden automatisch angepasst.

Moderne Technologien sind auf dem Gelände und in den Anlagen implementiert. Der Betreiber Uniper überwacht Turbinen und Generatoren in Echtzeit, wodurch Energie- und Wasserverluste minimal bleiben und die Effizienz hoch ist.

Quellen:

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