Fruchtsäfte haben eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen: von einfachen Durstlöschern zu hochwertigen Produkten. Dahinter steckt eine Geschichte von Innovation und Tradition. Ein Pionier, der deutsche Qualität und Akribie in die Saftproduktion einbrachte, war das Unternehmen Wolfra. Gegründet in der Nähe von München, hat sich die Firma einen Namen als Hersteller von natürlichen und hochwertigen Säften gemacht. Auf munichname.eu erfahren Sie mehr über dieses erfolgreiche Unternehmen.
Gründungsgeschichte
Wolfra wurde 1930 in Wolfratshausen im Loisachtal, einer oberbayerischen Stadt rund 38 Kilometer von München entfernt, gegründet. Hier begann die Geschichte der regionalen Fruchtsaftherstellung. Der Gründer war der damalige Kreisfachberater für Gartenbau, Andreas Stumpf.
In jener Zeit waren Früchte, mangels Konservierungstechnologien, ein schnell verderbliches Gut. Landwirte standen oft vor dem Problem, dass sie überschüssige Ernten nicht verwerten konnten. In dieser Situation entwickelte und perfektionierte Andreas Stumpf Methoden wie die Pasteurisierung und die aseptische Abfüllung. Dadurch konnten Fruchtsäfte viel länger haltbar gemacht werden, ohne an Geschmack und wertvollen Inhaltsstoffen zu verlieren. Seine innovative Arbeit war eine echte Revolution.
Die Landwirte der Region bekamen nun die Möglichkeit, ihre überschüssigen Früchte zu Saft verarbeiten zu lassen. Anstatt Hunderte Kilogramm verdorbener Ernte wegwerfen zu müssen, verkauften sie diese an Wolfra. So profitierten beide Seiten: Die Landwirte hatten eine stabile Einnahmequelle, und das Unternehmen erhielt Zugang zu frischen, lokalen Rohstoffen.
Anfangs war Wolfra eine Genossenschaft. Der Name leitet sich vom Gründungsort selbst ab: Wolfratshausen.
Das Unternehmen von Andreas Stumpf produzierte Säfte, Most und Schnaps. Es ist bekannt, dass sich Stumpf für die Entwicklung eines bakterienfreien Verfahrens zur Süßmostlagerung von einem Züricher Ernährungsmediziner beraten ließ. Dabei handelte es sich um Maximilian Oskar Bircher-Benner, einen Schweizer Arzt und Ernährungsreformer, der das Bircher-Müsli entwickelte und den Begriff „Vollwertkost“ prägte. Basierend auf diesen Erkenntnissen wurde ein eigenes Verfahren entwickelt.
Daher gilt Andreas Stumpf als Pionier in der Konservierung von Fruchtsäften.

Unternehmensentwicklung und Wandel
Im Jahr 1930 verkaufte Wolfra 7.700 Liter Süßmost. Bis 1939 stieg diese Zahl auf zwei Millionen Liter. Angesichts dieses rasanten Wachstums musste die Produktionsstätte erweitert werden.
Während des Zweiten Weltkriegs gelang es Andreas Stumpf, einem Gegner der Nationalsozialisten, das Unternehmen durch cleveres Handeln zu retten. Bereits 1941 zog Wolfra in die Baierbrunner Straße nach Obersendling, einem Stadtteil im Süden Münchens, um.
1975 wurde Wolfra von der Likörfabrik und Brennerei Anton Riemerschmid übernommen. Dies markierte eine neue Ära in der Unternehmensgeschichte, da es Zugang zu neuen Technologien und Vertriebskanälen eröffnete. 1984 zogen Riemerschmid und Wolfra gemeinsam nach Erding, nur um sich drei Jahre später wieder zu trennen. Trotzdem befinden sich die Hauptsitze der Unternehmen bis heute nebeneinander. Das Firmengelände erstreckt sich über 45.000 Quadratmeter.
Nach dem Tod des Fabrikbesitzers Heinrich Riemerschmid im Jahr 1991 gerieten Riemerschmid und die Tochtergesellschaft Wolfra in ernsthafte Schwierigkeiten. Die Familie beschloss, die Firmen, die kurz vor dem Bankrott standen, zu verkaufen. Für Wolfra war dies eine kritische, aber auch eine Phase des Neuanfangs. 1996 wurde Riemerschmid von Underberg übernommen, was das Ende der Ära als Familienunternehmen bedeutete.
Wolfra wurde von der Valensina GmbH, einem bekannten deutschen Safthersteller, gekauft. Dies ermöglichte dem Unternehmen, seine Geschäftstätigkeit fortzusetzen und seine Tradition der hervorragenden Qualität beizubehalten. Später wurde die Valensina GmbH Teil der Sportfit Fruchtsaft Holding und Wolfra damit ebenfalls Teil dieser Gruppe.
Rückblickend auf die reiche und vielfältige Geschichte von Wolfra zeigt sich, dass der Inhaberwechsel keinen Einfluss auf den Produktionsprozess und die Produktqualität hatte. All dies gewährleistete eine langfristige Überlebensfähigkeit.

Apfelsaft und der Schutz der Streuobstwiesen
Das erste Produkt von Wolfra war Apfelsaft. Dank der engen Zusammenarbeit mit den Obstbauern hat das Unternehmen Zugang zu einer Vielzahl von Apfelsorten. Dies ermöglicht die Schaffung eines einzigartigen Geschmacksprofils. Wolfra kauft Äpfel für die Herstellung seiner natürlichen Säfte von Kleinbauern und Obstgartenbesitzern rund um Erding sowie von 1.500 Gärtnern der Obstverwertung Genossenschaft.
Ein weiterer wichtiger Wert des Unternehmens ist der Umgang mit Streuobstwiesen. Sie sind nicht nur eine Rohstoffquelle, sondern ein wichtiges Ökosystem. Die Mitarbeiter von Wolfra setzen sich aktiv für den Erhalt alter Obstgärten ein, die oft seltene und wertvolle Biotope sind. Zudem verleihen Äpfel von alten Sorten dem Saft einen besonders vielfältigen und intensiven Geschmack. Dies ist eine der einzigartigen Eigenschaften des Unternehmens, die Wolfra von anderen Produkten abhebt.
Das Unternehmen unterstützt nicht nur die lokalen Landwirte, sondern kümmert sich auch um die Umwelt. Für Wolfra ist der Schutz wertvoller Biotope auch ein wichtiges Geschäftsziel, denn ohne bestäubende Insekten gäbe es keine Früchte und damit auch keinen Saft. Das Unternehmen unterstützt seine Lieferanten umfassend, indem es ihnen Fachwissen und finanzielle Unterstützung für den Übergang zum ökologischen Landbau bietet.
Interessant ist auch, dass Wolfra zusammen mit dem niederbayerischen Kurort Bad Birnbach und dem Landkreis Rottal-Inn die „Streuobstwiesen-Allianz“ gegründet hat. Hauptziel dieses Bündnisses ist es, das Bewusstsein für die wichtige Funktion dieser Biotope zu schärfen.
Im März 2021 hat die UNESCO auf Initiative Baden-Württembergs die traditionelle Streuobstwiesenbewirtschaftung in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes in Deutschland aufgenommen.

90 Jahre seit der Gründung
Im Jahr 2020 feierte die Wolfra Kelterei ihr 90-jähriges Bestehen. Zur Feier dieses Ereignisses erneuerte das Unternehmen seine Markenidentität, insbesondere das Design. So brachte das Unternehmen 2020 beispielsweise die Alpenschorle auf den Markt, eine 0,33-Liter-Flasche mit einem intensiven Saftgeschmack und einem hohen Fruchtgehalt, gemischt mit Sprudelwasser. Die Verbraucher schätzen dieses Produkt sehr und geben positive Rückmeldungen.
Die Änderungen wurden vom damaligen Geschäftsführer Norbert Siemer erklärt. Er sagte, dass das Marken-Redesign den Wandel von Wolfra zu einer Quelle für etwas Neues widerspiegele. Dieser Stil solle die Kunden inspirieren und gleichzeitig neue Zielgruppen erschließen.

Wolfra heute
Trotz aller Veränderungen arbeitet und entwickelt sich Wolfra weiterhin erfolgreich. Die Produktionszahlen von 2018 sind ein hervorragender Beweis dafür: Laut Unternehmensangaben wurden in diesem Jahr etwa 3.000 Tonnen Äpfel verarbeitet. Daraus wurden 2,3 Millionen Liter Apfelsaft gewonnen. Das Sortiment von Wolfra umfasst heute über 50 Saftsorten, hauptsächlich aus lokalen, aber auch aus exotischen Früchten. Dies zeugt von einer breiten Marktpräsenz und dem kontinuierlichen Streben nach Innovation. Das Unternehmen bleibt dabei traditionellen Rezepten treu und erinnert sich an den Mann, mit dem alles begann: Andreas Stumpf.
Im Jahr 2023 erhielt Wolfra den Bundesehrenpreis für die besten Gesamtergebnisse bei Qualitätstests.
Über die Geschichte, die Veränderungen und das Wachstum des Unternehmens Wolfra wurde ein Video mit dem Titel „Vom Baum in die Flasche“ gedreht.
