Hofgarten

Park · München · ⭐ 9.5/10 · 9827 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 15:56:33

Adresse: Hofgartenstraße 1, 80538 München, Deutschland

Hofgarten — der Renaissancegarten der Wittelsbacher

Acht Wege laufen sternförmig auf einen zwölfeckigen Pavillon zu, und wer einmal in dessen Mitte steht, hat das ganze Ordnungsprinzip dieses Gartens auf einen Blick verstanden. Der Hofgarten ist die grüne Fuge zwischen der Residenz, der Altstadt und dem Englischen Garten — ein Garten, der seit über vierhundert Jahren dieselbe geometrische Idee trägt und trotzdem jeden Abend neu bespielt wird: von Boulekugeln auf dem Kies, von Tangopaaren unter den Arkaden, von Beschäftigten der Staatskanzlei in der Mittagspause. Kein anderer Ort in München bringt Hofkultur, politische Gegenwart und Alltagsleben auf so kleinem Raum zusammen.

Höhepunkte

  • Dianatempel — der zentrale Pavillon, 1615 von Heinrich Schön dem Älteren errichtet; seine acht Eingangsbögen legen bis heute fest, wo die Kreuz- und Diagonalwege des Gartens verlaufen.
  • Tellus Bavarica — die Bronzefigur auf dem Tempeldach, von Hubert Gerhard vor 1590 geschaffen; sie versinnbildlicht den Reichtum Bayerns an Getreide, Wild, Wein und Salz. Das Original steht heute geschützt in der Bronzesammlung der Residenz.
  • Hofgartenarkaden — die Bogengänge an der Nord- und Westseite; die nördliche „Churfürstliche Galerie“ entstand 1780/81 nach Plänen von Karl Albert von Lespilliez und trug Fresken nach Entwürfen von Peter von Cornelius zur Geschichte der Wittelsbacher.
  • Kriegerdenkmal — die versenkte Gedenkanlage am östlichen, tiefer liegenden Ende des Gartens, 1924 entstanden; die Grube misst 28 mal 17 Meter und zwingt Besucher, hinabzusteigen statt hinaufzuschauen.
  • Denkmal der Weißen Rose — ein schwarzer Kubus von Leo Kornbrust, 1996 aufgestellt, mit Inschriften auf zwei Seiten; er steht bewusst quer im Weg zwischen Altstadt und Englischem Garten.
  • Bayerische Staatskanzlei — der Kuppelbau am Ostrand, der die Reste des früheren Bayerischen Armeemuseums einschließt und dem Garten seine markanteste Kulisse gibt.

Was dich erwartet

Der Hofgarten ist streng gegliedert: rechteckiger Grundriss, von Arkaden und Gebäuden gerahmt, innen in Quartiere geteilt, in der Mitte der Pavillon. Der Belag ist Kies, nicht Asphalt — man hört jeden Schritt. Rundherum liegen Museen, Ministerien und Cafés, sodass der Garten nie leer und nie überfüllt wirkt.

  • Vier symmetrische Rasen- und Beetquartiere mit wechselnder saisonaler Bepflanzung.
  • Zwei Brunnenschalen aus der Zeit Leo von Klenzes, der auch das Hofgartentor von 1816 entwarf.
  • Schattige Bogengänge, die selbst bei Regen einen trockenen Rundgang erlauben.
  • Das Deutsche Theatermuseum in der nördlichen Arkadenreihe.
  • Das Bazargebäude von 1824–1826 an der Westseite mit dem Kaffeehaus Tambosi, dessen Tradition bis 1775 zurückreicht.
  • Ein direkter, ebener Übergang nach Norden in den Englischen Garten und nach Süden in die Residenz.

Was man unternehmen kann — und für wen

  • Stadtbesucher mit wenig Zeit — hier lassen sich Residenz, Odeonsplatz, Theatinerkirche und Englischer Garten in einer einzigen Schleife verbinden.
  • Architektur- und Geschichtsinteressierte — vier Jahrhunderte Baugeschichte, vom Renaissancepavillon über Klenzes Klassizismus bis zum Nachkriegsbau der Staatskanzlei, stehen unmittelbar nebeneinander.
  • Tänzerinnen und Tänzer — an warmen Sommerabenden treffen sich Tango- und Salsagruppen im und um den Pavillon; Zuschauen ist ausdrücklich erwünscht.
  • Boulespieler — die seitlichen Kieswege sind seit Jahrzehnten eingespielte Bahnen und ein fester Treffpunkt.
  • Familien mit kleinen Kindern — flache, autofreie Wege, kurze Distanzen und immer eine Bank in Sichtweite; ein Spielplatz fehlt jedoch.
  • Fotografierende — die Symmetrie der acht Achsen und die Arkadenbögen liefern klare Bildlinien zu jeder Tageszeit.

Anfahrt & Praktisches

Der Hofgarten liegt im Stadtbezirk Altstadt-Lehel, unmittelbar nördlich der Residenz. Direkt am Südwesteck hält die U-Bahn am Odeonsplatz mit den Linien U3, U4, U5 und U6; die Museenlinie 100 sowie weitere Buslinien bedienen dieselbe Haltestelle, die Tram erreicht man am Nationaltheater. Vom Hauptbahnhof sind es zwei Stationen mit der U4 oder U5. Der Eintritt ist frei, der Garten ist ganzjährig und ohne feste Öffnungszeiten zugänglich; verwaltet wird er von der Bayerischen Schlösserverwaltung über die Residenz München. Die Wege sind eben und weitgehend barrierefrei, Kies erschwert das Rollen jedoch etwas. Für eine Runde mit Blick auf Pavillon, Arkaden und Denkmäler reichen 30 bis 45 Minuten; wer Theatermuseum oder Residenz anhängt, plant einen halben Tag.

Wann besuchen

Im Frühjahr wird die Bepflanzung der Quartiere erneuert, und die noch kahlen Bäume lassen die Bauwerke ringsum ungewöhnlich klar hervortreten. Der Sommer ist die lebendigste Zeit: Die Arkaden spenden Schatten, wenn die offenen Flächen glühen, und ab dem frühen Abend füllt sich der Pavillon mit Tanzenden, während auf dem Kies Boule gespielt wird. Im Herbst färbt sich das Laub der Alleebäume, die tief stehende Sonne fällt schräg durch die Bogengänge, und der Garten ist deutlich ruhiger als im Hochsommer. Im Winter zeigt der Hofgarten sein eigentliches Wesen — ohne Blattwerk liegt die geometrische Anlage offen zutage, und bei Schnee zeichnen sich die acht Achsen wie mit dem Lineal gezogen ab.

Gut zu wissen

Der Garten entstand ab 1613 unter Herzog Maximilian I. und wurde bis etwa 1617 fertiggestellt — außerhalb der damaligen Festungsgräben und zeitgleich mit dem großen Ausbau der Residenz. Einen Vorläufer hatte er in dem Renaissancegarten, den Herzog Albrecht V. ab 1560 weiter östlich anlegen ließ. Ursprünglich war der Hofgarten weit üppiger ausgestattet als heute: Rundtempel, Maulbeergänge, Brunnen, Spaliere, Buchsornamente und Obstbäume gehörten zum Bestand. Die Bronzefigur Tellus Bavarica setzte Maximilian I. nach 1616 auf das Dach des Pavillons. 1937 diente der Arkadenbau als Schauplatz der Propagandaschau „Entartete Kunst“, die von Juli bis November lief — ein Grund, warum das Denkmal der Weißen Rose gerade hier steht. Der Zweite Weltkrieg zerstörte große Teile der Randbebauung samt der Cornelius-Fresken; der Wiederaufbau folgte einem Kompromiss zwischen historischer Rekonstruktion und moderner Ergänzung, sichtbar vor allem am Bau der Staatskanzlei.

Besuchertipps

  • Stell dich einmal genau in die Mitte des Pavillons und dreh dich langsam — nur von diesem Punkt aus sieht man alle acht Achsen gleichzeitig.
  • Wer Tango sehen will, kommt an einem lauen Abend zwischen Mai und September; bei Regen fällt das Treffen aus.
  • Der Weg nach Norden führt in wenigen Minuten in den Englischen Garten — eine der schönsten Möglichkeiten, einen Altstadtbummel ins Grüne zu verlängern.

Fragen & Antworten

Kostet der Hofgarten Eintritt? Nein. Der Garten ist frei zugänglich und ganzjährig geöffnet; Gebühren fallen nur in den angrenzenden Museen und in der Residenz an.

Gibt es feste Öffnungszeiten? Nein, der Hofgarten ist nicht abgesperrt und rund um die Uhr begehbar. Für die Museen und das Kaffeehaus am Westrand gelten eigene Zeiten.

Wer ist die goldene Figur auf dem Pavillon? Es ist die Tellus Bavarica, eine Bronzefigur von Hubert Gerhard aus der Zeit vor 1590, die den Reichtum Bayerns darstellt. Auf dem Dach steht eine Kopie, das Original wird in der Residenz vor der Witterung geschützt.

Warum verlaufen die Wege so ungewöhnlich? Weil der Pavillon acht Eingangsbögen hat. Von jedem Bogen geht ein Weg aus, und daraus ergibt sich das Netz aus Kreuz- und Diagonalwegen, das den ganzen Garten gliedert.

Was hat es mit dem schwarzen Würfel auf sich? Das ist das 1996 aufgestellte Denkmal der Weißen Rose von Leo Kornbrust. Es erinnert nicht an eine einzelne Person, sondern an die gesamte Widerstandsgruppe, und ist auf zwei Seiten mit Zitaten beschriftet.

Wie lange sollte man einplanen? Für den Garten selbst genügen 30 bis 45 Minuten. Mit Theatermuseum, Kaffeehauspause oder einem Abstecher in die Residenz wird daraus leicht ein halber Tag.

Kann man mit dem Rad hindurchfahren? Der Hofgarten ist ein historischer Garten und in erster Linie zum Gehen gedacht; die Kieswege sind eng und stark belebt. Rad schieben ist die verträglichere Variante.

Gästebewertungen

  1. Богдан Адамчук

    Ein angenehmer kleiner Park für einen Spaziergang. Man kann Jazz hören und mit den Einheimischen tanzen.

  2. Alla Bykhovenko

    Ein sehr gemütlicher Ort für Spaziergänge

  3. Ольга Зайченко

    Ein sehr angenehmer Ort für gemächliche Erholung. In der Mitte steht ein Pavillon, in dem immer jemand von den Straßenmusikern spielt, und am 1. Mai dieses Jahres spielte dort ein virtuoser Bandurist. Am Eingang zum Park…

  4. Danylo Yevtukhov

    Hier ist alles wunderbar. Gegen Abend ist ständig etwas los.

Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 15:56:33

Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: munichname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

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